Paläo’Echo

Paläo’Echo

2015/16    |   Musikalisches Stück, Mechanische Installation    |    Basalt-Steine, Nylon Fäden, Mechanismen, Kunststoffe
Länge 6 m, Breite 2,50 m, Höhe 4 m    |    Mindestmaße – Länge 12 m, Breite 6,50 m, Höhe 4 m. Raumhöhe – max. 6 m

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Paläo Echo ist ein musikalisches Stück, eine Aufführung mit der innewohnenden Neigung sich den Betrachtern zu entziehen. Hat man sich gerade an die nervöse Anspannung der Szenerie gewöhnt, entlädt sie sich wieder, unbegreiflich, während sich nachhallend die wuchtigen Klänge in Raum und Lebewesen einschreiben. Fortan können nur noch die Trümmer des entschwundenen Ereignisses besichtigt werden.

Die Installation ist ein überlieferter Urahne evolutionärer Mechanismen. Welche bis in die archaischen Perioden der menschlichen Geschichte zurückreichen. Fundamentales Rüstzeug wie die Kerbe oder die Nut, die in Jagdtechniken und speziell im Bau von Fallen ihre Unbedingtheit deutlich machten, finden in der Umsetzung der Installation in Kombination mit zeitgemäßen Materialien wie Nylon einmal mehr ihre universelle Richtigkeit.

So ist annehmbar, dass sich das Kunstwerk mit der Fähigkeit des Menschen beschäftigt, Methoden zu entwickeln die dem „ins-Weltliche-geworfen-sein“ etwas entgegen setzen können. Und der damit verbundenen Erfahrung des Scheiterns. Wie Gerhard Vollmer einmal treffend formulierte: „Wir irren uns empor.“

Erfahrbar ist auch die diffus erscheinende Fassungslosigkeit eines ephemeren Daseins und die daraus erwachsene dumpfe Angst und Kompliziertheit.

„Alle Gestaltung der Körperwelt von Stoffen und Steinen bis zu den Sonnen ist bestandlos; in ihrem unaufhörlichen Wandel bleibt, woraus sie hervorgehen. Über jedes lebendige Dasein kommt der Tod. Der Mensch erfährt als Leben und in seiner Geschichte, daß alles sein Ende hat: Verwirklichungen werden im Wandel soziologischer Zustände unhaltbar; gedankliche Möglichkeiten erschöpfen sich; Weisen des geistigen Lebens klingen aus. Vernichtet wurde, was groß war; das Tiefe verflüchtigt sich, als ein anders Gewordenes wirkt es scheinbar fort. Geschichte war nur in Technik und Rationalisierung des Daseins, auf das Ganze gesehen, ein Fortschreiten, war im eigentlich Menschlichen und Geistigen jedoch im Hervorbringen des Außerordentlichen zugleich der Triumphweg zerstörender Mächte. Ginge eine Entwicklung der Menschheit ins Grenzenlose: kein in der Zeit als Weltdasein dauernder Zustand würde erreicht, ohne daß in ihm der Mensch als Mensch wieder zerstört würde; das Geringere und Massenhafte scheint zu überdauern in bloßem Anderswerden; der Weg wäre ohne Einheit des Sinns und der Kontinuität und so ohne Möglichkeit des Ganzwerdens; es würde nur verwirklicht und dann zerstört, was keiner Erinnerung je wieder gegenwärtig zu sein braucht. Ein noch lebendiges Dasein, das diese Vergangenheit gar nicht als Voraussetzung seines Bewusstseins besäße, sondern nur als vergessenes und wirkungsloses Vorher, wäre wie das Dasein von ein paar glimmenden Hölzern, die ebensogut der Rest des Brandes von Rom sein können wie des Verbrennens eines Abfallhaufens.

[…]

Wäre die Möglichkeit, auf technischem Wege die Grundlagen allen Menschendaseins zu vernichten, so ist kaum zu zweifeln, daß sie auch eines Tages verwirklicht würde. Unsere Aktivität kann hemmen, verlängern, Aufschub für eine Spanne Zeit gewinnen; nach aller Erfahrung von Menschen in der Geschichte wird auch das Furchtbarste, das möglich ist, irgendwann und irgendwo, von jemandem vollbracht. – Das Scheitern ist das Letzte; so erweist es die unerbittlich wirklichkeitsnahe Weltorientierung. Mehr noch: es ist in allem das Letzte, was überhaupt im Denken zur Gegenwart kommt: Es scheitert im Logischen die Geltung an dem Relativen; das Wissen sieht sich an den Grenzen vor Antinomien gestellt, an denen die widerspruchslose Denkbarkeit zugrunde geht; über das Wissen hinaus taucht als übergreifend die nicht rationale Wahrheit auf.“

Jaspers, Karl: In: PHILOSOPHIE. DRITTER BAND. METAPHYSIK. Berlin 1932, S219 f